Was reimt sich auf Himmel?

marco_05
Illustration: Patricia Tarczynski

Teil 1:

Ein Reim macht ganz doll deutlich, etwas passt ganz gut zusammen. Immer dann,
wenn schwer verknallte Zeilenenden zueinander fanden.

Sie sehen einander an
und weil sie sich entsprechen,
können sie zwischen ihren Zeilen lesen ohne viel zu sprechen.
Sie sind wie eine Fahrbahn
mit parallelen Spuren.
Mitunter hässlich holprig, aber
der Fluss geht nicht verloren.

Manche Reime sind verkleidet. Unsichtbar fürs Augen dessen,
der ihn einfach überliest.
Doch springt er kichernd aus den Sätzen, wird der Text verbalisiert.

Manchmal klingt er grässlich kitschig. Ein bisschen süchtig nach Applaus. Oft ist er recht vorhersehbar.
Dann geht er aus dem Haus, betritt das nächste Zoogeschäft und kauft sich eine – Ratte.

Ein Reim knipst das Licht an.
Und weshalb ich ihn so lieb:
Er macht das selbst die deutsche Sprache fließt und klingt fast wie Musik.
Dank Reimen fand ich meine Liebe
zu Rap und Poesie.

Er ist dieser Halunke,
der so heimlich furchtbar fies nicht erst fragt, ob wer das will und dann Zeilen aneinanderreiht, die das Ohr nicht mehr vergisst.

In Hochkultur, Familienfeiern und in Werbeclips,
in Millionen schlechter Slogans mischt er mit
dank seines Ichs.

Ein Reim ist ein Schöpfer
von Ordnung und Verbindung. appelliert immer öfter
durch Wort an Empfindungen.

Ein Reim bastelt Ganze

aus einzelnen Teilen.
Ein Reim redet sich wohl selten ein, mehr als ein reiner Reim zu sein.

 

Teil 2:

Der Himmel gilt als Synonym
für einen Zustand oder Ort.
Aber keiner, der ihn je betrat,
konnte (oder wollte) wieder fort,
um davon in Gedichten und Geschichten zu berichten,

für die daheim.
Der Himmel scheint ein Ziel zu sein. Die Mutter aller Sehnsucht. Mündung aller Wanderwege. Paradies ohne Verfehlung.
Das Meer in das die Flüsse fließen, die sich zuvor aus Bächen speisen. Je nachdem, wen man so fragt, könnt’ er auch Heimat sein. Vielleicht das, was damals Rilke mit „du großes Heimweh“ meinte.

Abgewischte Tränen
und der Tod exekutiert.
Gerechtigkeit und Frieden,
weil Liebe liebevoll regiert.
Es fällt mir so oft schwer zu glauben, dass solch ein Ort echt existiert.
Vor allem Angesichts des Wahnsinns, den dieses Wesen fabriziert,
von dem es heißt, es sei geschaffen in des Schöpfers Bild.

Ein Ort der Begegnung.
Des Verstehens und Sehens. Ein Ort der Vergebung

Mitunter vielleicht auch Ausrede
und Vertröstung auf ein waberndes „Später“. Achselzuckendes Blaumachen beim Kümmerkurs für den Planeten.

Möglicherweise ja auch nur naiver Selbstbetrug.
Vielleicht aber auch wie das Ende des letzten Narnia Buches. Ich weiß bei weitem nicht genug,
dass mein Ahnungsbaum Gewissheit trug.

 

Teil 3:

Aber sicher auch die Definition
der Projektionsfläche von sowas wie sogenannter lebendiger Hoffnung. Und ich finde kein Wort, um
dieses Facetten in Sprache zu pressen,
zum Scheitern verurteilte Versuche,
wie ohne Hände Bananen zu essen.

Versuche Vergleiche zu finden,
für himmlische Hoffnungs Szenerien
die vermutlich für jeden auch wieder verschieden sind.

All meine hochgelobten Verweise
auf die glorreichen Eigenschaften fantastischer Reime scheitern reihenweise am Mysterium der letzten Reise.

Und die einzige Möglichkeit über dieses Geheimnis zu schreiben,
scheint bestenfalls nur in ungenügend hinkenden Metaphern oder Bildern zu sein. Wer bin denn ich zu meinen,
ich könne auf den Himmel reimen?
Wenn sich doch, wenn wir ehrlich sind,
keiner so recht einen Reim
darauf machen kann.

Aber falls es am Schluß
unbedingt doch sein muss,
fügt sich alles ganz gut ein,
denn was sich auf Himmel reimt,
scheint ein besonders weißes Pferd zu sein, und gleichzeitig des Königs Reittier

von eben jenem Himmelreich.

 

Marcos Text von ihm gesprochen auf SoundCloud

Marcos Blog

Patricias Instagram-Seite

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