2 Sekunden

Noch ganz dicht zu sein ist ja nicht in jeder Lebenssituation die allerwichtigste Kernkompetenz. 

Wenn man zum Beispiel Lars Eidinger dabei zuschaut, wie er den großen Monolog aus Hamlet („Sein oder nicht sein“, ihr wisst…) darstellt, merkt man ja sofort, dass der Typ nicht alle Nadeln an der Fichte hat. Und doch ist es so, dass mich genau keine schauspielerische Leistung je so beeindruckt hat, wie eben jene. Na gut, „Kunst kommt von Können – käme sie vom Wollen, hieße sie Wulst.“. Hat irgendwer gesagt. Reich-Ranicki vermutlich. Ich weiß es nicht genau. Heißt: wer nicht schauspielen kann, braucht auch beim Monolog nicht mit Heulen anzufangen – es wird sowieso in der belanglosen Grütze enden. Wer nicht kochen kann, kann sich nackt und schreiend hinter den Herd stellen – das wird keine Kunst, das wird nur schlimm.

An Könnern mangelt es aber auf Erden gar nicht unbedingt, wie ich finde. Ich kenne unzählige kühne Entscheiderinnen, großartige Sänger, kreative Köpfe, tierische Köche (erstaunlich oft männlich übrigens). Es kann und kann und kann. Hier und da und überall, da muss man in der Regel nur lange genug hingucken, dann merkt man das. Und doch bekommt man immer und immer wieder Vermissungen, was das WIRKLICH Großartige angeht. Das, was einem Gänsehaut beschert, wo einem die Worte fehlen. Musik, von der man heulen muss. Essen, von dem man aus Versehen Stöhngeräusche macht. Filme, von denen man wochenlang träumt. Bilder, die man wegen ihrer Schönheit nie vergisst. All das gibt es. Aber zu selten. Dinge, die einen wegen ihrer Großartigkeit an Stellen berühren, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie hat… von diesen Genossen gibt es zu wenige. Weil ich es sage!!

So. Und jetzt glaube ich mal was! Achtungachtung! Ich glaube, dass wahre Großartigkeit sich außerhalb von Kontrolle bewegt. Ich glaube, dass wir am geilsten in Momenten des Kontrollverlustes agieren. Deshalb kommt hier mein Plan für 2017: Ich soll mir ja täglich für alles Mögliche Zeit nehmen. Sagen ja immer alle überall. „Drei Minuten Zeit, um während des Zähneputzens den Popo anzuspannen!“, „Jeden Morgen ein Moment für die Darmflora!“, „Jeden Samstagabend „Ehe-Time“ (aka … ….. …)!“, „Mit nur zehn Minuten soundso am Tag den Haushalt für immer im Griff haben!“. Sicherlich. Finde ich alles großartig, MACHE ich natürlich auch alles genau so und total gewissenhaft (klar!!) – die neue Superroutine allerdings wird einfach tatsächlich alles total auf den Kopf stellen… Glaube ich.

Im neuen Jahr werde ich für jeden Tag genau ZWEI SEKUNDEN einplanen, in denen ich auf alles sch**ßen werde! Nur zwei Sekunden! Mehr nicht! 

Zwei Sekunden, in denen mal kurz egal ist, wie ich dabei aussehe. Zwei Sekunden, in denen keinerlei Vernunft oder klares Gedankengut Platz haben. Schon klar: in die zwei Sekunden passt kein Shakespeare-Monolog. Und auch sonst nicht wirklich viel. Aber ich glaube an die durchschlagende Wirkung der täglichen zwei Sekunden, jawohl! In zwei Sekunden lässt sich schon die eine oder andere kühne Entscheidung treffen. Und ich glaube auch, dass Kontrollverluste trainierbar sind – und in mehr Momenten, als wir glauben, durchaus unsere Freunde werden können! Beim Umarmen! Beim Singen! Beim Lachen! Beim Liebhaben! Beim Geschenkekauf! Beim Tanz! Beim Komplimentemachen! Samstagsabends (hab ich das gedacht oder getippt?! …es geht schon los, ey!)… 

Happy Kontrollverlust allerseits! 2017 wird ein Knaller, das habe ich schon entschieden!

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