Auf der Pirsch zum Eigenlob

Ich hab heute in der Bäckerei gedacht, dass man ein Brötchen echt gut „Käse-Specki“ nennen kann. Den eigenen Ehepartner hingegen wohl lieber nicht. Über lang oder kurz werde ich ja sowieso noch Eheberaterin! Oder auch Traurednerin, ja, das wäre klasse! Alle Scheidungsanwälte so: „Ja Johanna, mach das auf jeden Fall!!“.
In echt jetzt: Namen haben Macht. Ich bin ja gerade mit der Vergabe von Wiewortfreundnamen zugange – und bemerke, dass dieser neue Spleen von mir mehr bewirkt, als vormals gedacht. Wie ich jemanden erkläre, sagt viel über denjenigen aus. Und sogar NOCH mehr sagt es wohl über mich selbst aus, wie ich über Andere spreche und wie ich sie bewerte. Nun gut, wir sind hier nicht im Psychoratgeber (es gibt Bücher, in denen man mein Geblubber sicherlich nochmal in normal formuliert und vor allem korrekt nachlesen könnte!), aber ich denke aktuell darüber nach, was ich über Anderen ausspreche. Und auch über mir.
Warum ich drüber nachdenke? Vermutlich zunächst mal, weil ich es kann. Aber auch deshalb, weil mir jüngst mal wieder aufgefallen ist, wie streng wir zuweilen vor allem mit uns selbst sind. Ich könnte sofort fünf Gelegenheiten zitieren, bei denen Menschen in meinem Umfeld sowas gesagt haben wie „Ich hab’s verkackt“, „Ich kann das nicht“, „Ich mach das immer so scheiße“ oder so. Passiert ständig und überall. Mir selbst auch. Weniger oft höre ich in der Welt Sätze wie „Ich kann das gut“, „Ich hab das gut gemacht“ usw. Im Kindergarten trimmen wir die Kinder zwar noch auf diese ganze „Ich kann alles superklasse“-Schiene – bisweilen so lange, bis selbst die Kids glauben, wir Großen hätten irgendwie das Ritalin falsch dosiert – aber in Wirklichkeit glauben wir ja zu wissen, dass das nicht stimmt und dass man diese Eigenlobnummer lieber noch VOR der weiterführenden Schule ablegt. Weil man das ja nicht macht.

Jaja sicher, für Lob muss man auch irgendwie erstmal was können. Ein gelogenes Lob enttarnt man ja irgendwie sofort und das ist dann eigentlich schlimmer und entwürdigender als ein paar aufs Ohr. Ein gutes Lob braucht einen Auftakt, einen Grund. Ich kann nicht meine Freundin für ihre Autofahrkünste preisen, wenn wir beide wissen, dass sie so eine Art entsicherte Waffe ist, sobald der Motor anspringt. Ich kann kein ekliges Essen loben und keine hässliche Frisur. Und ich KANN diesen Blog nicht ernstnehmen, wenn ich jetzt nicht mal langsam die Kurve hier kriege! Gründe müssen also her. Ok, das ist leicht. Bei Anderen zumindest. Wer nicht singen kann, der summt halt, wer nicht Summen kann, der brummt halt und so weiter und spätestens beim Klatschen könnte man dann – wenn es sauber ausgeführt ist – mal eine kleine Belobigung aussprechen. WENN man das möchte. Ich möchte das, weil ich möchte, dass die Welt besser wird. Peng. Eigenlob stinkt ja wiederum bekanntlich. Das tun „Käse-Speckis“ übrigens auch. Lirumlarum, vielleicht kann man sich ja an das stilvolle, hygienisch einwandfreie Eigenlob zumindest langsam heranpirschen, indem man nicht mehr so schlecht von sich selbst spricht. Ich versuche ab sofort, weniger „Ich kann das nicht“, „Ich bin so doof“ usw. über mir selbst auszusprechen. Und ich werde auch versuchen, meine Freunde davon abzuhalten. „Sprich nicht so über meine Freundin!!“ könnte das Echo lauten, wenn ich das nächste mal was von fetten Oberschenkeln oder Versagen im Kinderzirkus hören muss. Nicht falsch verstehen – Fehler darf und sollte man durchaus benennen und zugeben, da bin ich Riesenfan von! Aber ich glaube, dass es gut ist, über sich selbst auch mal zwischendurch was Anderes als „Ich bin da zu blöd für“ auszusprechen.

Los geht die Weltverbesserung: ich finde es wirklich gut von dir, dass du diesen gedanklichen Wirrungen bis hier her folgen konntest – Hut ab! Und noch was: ich käme niemals auf die Idee, dich oder jemanden sonst „Käse-Specki“ zu nennen.
Over & out, Ballersbach!

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