„Der Virale“ oder „Das 85er Fass“

Ich nenne Chris Lass ab heute nur noch „den Viralen“! Gestern lud er so einen total anrührenden Gospelflashmob ins Netz und der hatte dann nach zwei Stunden irgendwie 30.000 und jetzt irgendwie etwa 6 Milliarden Klicks! Peng! Noch nicht gesehen? Hier gucken und Adventskekse knabbernd heimlich weinen bitte:

Der Virale und ich, wir haben was vor am Wochenende! Die schöne Naemi (rote Jacke) aus dem Film ist auch dabei! Keine Angst – wir springen euch nicht ausm Aldi-Regal entgegen. Aber musikalisch wird´s. Und natürlich wunderschön!!

Aber ich fange mal ganz, ganz vorne an. Vorne im Sinne von 1985…

Kann sein, dass das letzte Fass dieser Art 1985 auf gemacht wurde, als Hella Heizmanns großartige Platte „Und es begab sich…“ rauskam. Ich weiß nicht, ob ihr es wusstet, aber ich würde die Info gern platzieren: auf besagter und betagter – für mich bis heute absolut geliebten Weihnachtsplatte – hat ja mein eigener Vater mitgesungen. Im Bass. Damals gab es in Chören noch Bässe – klingt verrückt, ist aber so! Mit dabei waren ganz Viele, die heute irgendwie echt die Chefs sind – damals aber noch jung und vor allem irre genug waren, sich auf eine „eher groß“ gedachte Plattenproduktion einzulassen…

Auf so ziemlich jeder Feier in meinem Elternhaus sperre ich bis heute andächtig die Ohren auf, wenn im alten Freundeskreis zu vorgerückter Stunde mal wieder die Geschichte erzählt wird, wie die ganz junge Cae Gauntt im Studio darum bat, einen Vorschlag machen zu dürfen und dabei den besten Alt-Vorhalt der christlichen Musikgeschichte platzierte! („…und hell strahlt der Ta-a-ag…“ – ihr wisst Bescheid!) Da glänzen dann die Augen, man hebt still salutierend das Glas und alle haben die Stelle im Ohr und denken andächtig an die Zeit zurück, als im christlichen Musik-Business produktionsmäßig noch echte Fässer aufgemacht wurden, als noch mit Orchestern gearbeitet wurde und Thomas Adam alles getrommelt hat, was bei drei nicht auf dem Baum war. Achja.

DARUM GEHT ES DOCH ÜBERHAUPT GARNICHT!!!!! Was ich sagen wollte war: kann sein, dass das letzte Fass dieser Art 1985 auf gemacht wurde, als Hella Heizmanns großartige Platte „Und es begab sich…“ rauskam. Das letzte derartige Fass – bis heute. Es hat wieder einer ein Weihnachtsfass aufgemacht. Und zwar mit allem UND Orchester!

Ich hatte den Viralen und seine ganzen Boys da oben in ihrem Bremen bisher so als die „jungen Wilden“ der Gospelszene mit Tendenz zur sympathischen Zappeligkeit einsortiert. In meinem Kopf ist viel los, stellenweise auch viel Mist – das wissen wir ja mittlerweile alle. Dann habe ich Chris auf dem diesjährigen Gospelkirchentag durch mehrere, aneinander gereihte Zufälle persönlich kennengelernt, mit ihm musiziert, Bier getrunken und gesprochen und bemerkt… dass ich einfach komplett Recht hatte! Naja, nicht ganz. Zappelig ist er eigentlich nicht wirklich – aber auf der Bühne geht er tatsächlich ab wie Schmidts Katze! Da ist Leben drin, da wird gehüpft und es geht – on und off stage – alles irgendwie ziemlich ab! Was ich gut heiße! Komplett! Leben klappt lebendig einfach am Besten! Jetzt macht Chris – wild und begeistert wie er ist – besagtes Weihnachtsfass auf und ich durfte das Ergebnis schon vorab hören und konnte nicht anders, als mich zu fragen, ob das eines der Alben sein könnte, über die meine Kinder eines Tages Mythen und Legenden in ihre Blogs schreiben und dessen Sound und Eigenheiten sie noch durch den Advent 2046 begleiten werden… Ja, die CD klingt schon anders als das 85er Fass. Und das ist auch gut so! Wäre ja traurig, wenn nicht! Sachen müssen anders werden, sonst ist was faul im SCM Hänssler-Verlag. Chorsounds werden jünger und purer, Beats werden neu erfunden. Aber dass Chris zum Beispiel bei „Angels we have heard on high“ mitten in die musikalische Abgefahrenheit einen Chorsatz einbaut, wie das gute Gemeindekind (aka ICH) ihn sofort auswendig mitzusingen vermag, hält eben noch immer ein Bein auf dem Boden. Nee, vor Beats und Innovativem hat er keine Angst – vor Tradition aber genauso wenig! Vor „Stille Nacht“ nicht – aber eben auch nicht davor, die Streicher bei „God rest ye merry, Gentlemen“ mal so richtig herrlich eskalieren zu lassen.

Ja, „Angstfreies Weihnachtsalbum-Produzieren“ könnte man die Disziplin nennen. So entstehen besondere Platten! Hätte Hansi in den Achtzigern Muffensausen gekriegt, ginge es in Ballersbach im Advent nur halb so laut zur Sache – im Nachhinein weiß man sowas immer… Im Hier und Jetzt weiß ich dafür schon direkt, dass ich von diesem Album gute Laune bekomme! Dass ich sofort und gerne donnernd laut mitsinge, die Nummern kenne (UND mag!!). Ich beginne instinktiv damit, Kerzen rauszusuchen, das Geschenkpapier zu sichten und hochkalorische Gerichte zu kochen. Ich gucke sentimental aus dem Fenster, bin innen wieder acht und freue mich auf Weihnachten! …kann sein, dass für exakt diese Anwendung Weihnachts-CDs aufgenommen werden.

Man kann sich, wenn man das möchte, die Frage stellen (weil man sich ja insgesamt sowieso fragen darf, was man will und so oft man das will!!), ob wir wirklich noch einen Beitrag zum Weihnachts-Business brauchen. Ich bin gerne und immer wieder dazu bereit, diese Frage mit einem herzlichen „Auf jeden Fall!!!“ zu beantworten! JA, wir müssen Weihnachten immer und immer wieder in neue Chorsounds und Beats übersetzen! NEIN, wir müssen keine Angst davor haben, dabei zu laut, zu leise, zu cool, zu kitschig, zu wild, zu clean, zu 1985 oder zu jesusmäßig rüber zu kommen! Der Geist weht, wo er will und wo er weht, ist Freiheit – da dürfen wir insgesamt ganz, ganz frei aufspielen und müssen noch nicht mal Angst davor haben, aus Versehen Spaß zu haben. Und JA, wir dürfen – wir sollten! – die 85er Fässer wieder neu aufmachen! Und NEIN, wir können nicht oft genug wiederholen, dass Weihnachten FÜR UNS ist!

Für MICH nun wieder ist es eine sehr schöne Perspektive, gemeinsam mit der Schönen und dem Viralen am nächsten Wochenende mal so richtig alles rauszumusizieren! Omis zum Weinen bringen und vor den Klickzahlen hyperventilieren ist ja nicht das Einzige, was mein norddeutscher Freund gut kann! Am Klavier ist er nämlich tatsächlich ne echte Bank und ich brenne SEHR darauf, mit seiner Begleitung „Amazing Grace“ zu singen! Wer will, kommt zu nem Konzert. Und wer will, macht dieses Weihnachten zu dem Fest, das ihm persönlich, seiner Seele und seinen Ohren dient. Dafür hat der Gott das nämlich erfunden. Ich selbst versuche das auch, ich fange an! Ich habe entschieden, wieder mehr und lauter zu singen. Es entspricht mir schon immer noch, gemeinsam mit Anderen die Stimme von der Leine zu lassen, zu interagieren und Töne zu machen. Das merke ich zunehmend. Das und auch, dass es durchaus feiernswerte Angelegenheiten im allseits beliebten Kirchenjahr gibt! Ich versuche in diesem Jahr, Weihnachten härtestmöglich zu feiern – dieses Album, die Schöne und der Virale kommen mir demnach höchst gelegen!

Hier könnt ihr schonmal hören und üben und auch ein bisschen heimlich weinen – wir machen das dann live nochmal zusammen:

https://www.scm-shop.de/christmas-gospel.html

Live dann:

10.12.2016, 19.30 Uhr, Luthergemeinde Griesheim (das bei Darmstadt)

11.12.2016, 17.00 Uhr, Stift Quernheim Kirchlengern

Danach wieder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und Ben&Jerrys bis Heiligabend. Weil das ja klar ist.

Auf dass meine Töchter eines Tages erzählen werden, wie ihre Mutter dem Lass in der Live-Anwendung 2016 den jungen und puren Chorsound zunichte machte, kchch…

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2 Gedanken zu “„Der Virale“ oder „Das 85er Fass“

  1. Allerliebstes Johannalein!
    Sehr schön geschrieben. Stehe ich zu 100 Prozent hinter.
    Und ja dieses Wehmut-Ehrfurcht-MannwashamdiedamalsfürgeilePlattengemacht-Gefühl kenne ich ja selbigst auch nur zu gut…
    LG
    Saimen

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