Kontextuell hier, kontextuell da, kontextuell in Amerika

„Löw macht bis zur WM 2018 in Russland weiter“ schreibt die Tagesschau. Was er denn in Russland genau macht, fragte ich mich die ersten 30 Sekunden. Dann ging’s wieder. Ist aber auch echt krass, wie mich offenbar immer alle verarschen wollen! Kann auch sein, dass ich dünnhäutig werde. Zwecks Urlaubsreifetechnisch aufdeutschgesagt.
Dass man jawohl selbst nicht so schlimm sein kann, weil Oktopusse sich ja nun immerhin selbst aufessen wenn sie Stress haben, heißt doch dieser eine Internetwitzespruch. Mag stimmen – so weit bin ich tatsächlich noch nicht. Aber im Fingernagelkauen macht mir aktuell tatsächlich auch kein Oktopuss was vor! Der hat ja noch nicht mal Fingernägel! Dieser PENNER!!

Und auch so dieses alles, was man dann irgendwann nicht mehr wie gewohnt auf die Kette kriegt. Emailpostfach – oha. Von den PN’s mal ganz zu schweigen. Ich tue Buße und bitte auf diesem Weg um Entschuldigung für jede Nicht- oder Spät-Reaktion. Ich weiß, dass das assi ist. Geht aber nicht besser gerade. „Wobei assi ja jetzt erstmal wertfrei ist.“ ARGH! Ich komme nicht mehr aus dem Vernunft-Slang heraus! Hm. Vielleicht wäre DAS ja ein Weg: ich könnte doch versuchen, mich mal zur Abwechslung SELBST zu spiegeln und mir bewertungsfrei zu begegnen und einfach ne gute Zeit mit mir zu haben. Geh fort! Ich lass es ja schon! Wäre für meinen ebenso urlaubsreifen Mann sicher auch nicht leicht, seine Alte bei dem Versuch, sich selbst zu verhauen, auf dem Sofa vorfinden zu müssen.

Also gut, lass mal Halbjahresfazit machen! Das bietet sich doch jetzt an! Was war los im ersten Halbjahr und wie ging es mir damit und wie lange hat’s gedauert, bis ich wieder nüchtern war?
Ich hab zu viel gemacht. Das kann ich schonmal recht zügig sagen. So müde wie ich es jetzt bin, muss man eigentlich nicht sein in meiner Situation und meinem Alter. SO nötig sollte man einen Urlaub nicht haben, würde ich sagen. Fazit fürs zweite Halbjahr? Weniger. Also weniger machen.
Haha, eigentlich weiß ich jetzt schon, wie es wieder endet hier („Die 35-jährige, die sich beim Schreiben ihres eigenen Blogs zu Tode langweilte und einschlief“). Am Schluss lande ich aller Voraussicht nach etwa bei: „…blabla, lass weniger arbeiten und mehr mit Freunden rumhängen und lieben und alles weil der Tod kommt ja eh und dann liegt man kurz vorher und denkt so „Eeeeyyy, ich hab zu viel gearbeitet!“.“ Und selbst wenn man – wie ich jetzt – so krass gut reflektiert ist, dass man diese Erkenntnis nicht erst auf dem Sterbebett, sondern aufm Sofa beim Halbjahresfazit parallel zum RTL2 Trödeltrupp erringen konnte NÜTZT ES DOCH ALLES NICHTS!! Wir machen es doch eh! Weiter arbeiten! Mehr Gas geben! Komm, noch bisschen! „Die Welt braucht dich!“ – „Du hast was zu sagen!“ – das stimmt zwar alles und KLAR sind wir alle immens wichtig und so. Aber selbst dann, wenn solcherlei Thesen in der schon fast ausgenüchterten Sanftheit einer sanften Margot Käßmann ausgesprochen werden, sind sie doch auch wieder ein relativ sicheres Ticket in den Burrrrrn(Motherf*cker, Burn)out. SO!

Ich bin jetzt mal krass (aber noch nicht krass genug, es ohne Vorwarnung für die Anderen sein zu können – kommt noch!): WENN es so wäre, dass die Welt mich wirklich so richtig dringend bräuchte, wäre die Welt eine ziemlich arme Erfindung. Erstens richtet unsere menschliche Artgenossenschaft in Summe mehr Fluch als Segen an, zweitens traue ich keiner Unternehmung, die ohne mich nicht im Stande ist, zurechtzukommen. Klingt wild, IST aber so. Ich höre es schon Murren, alles gut – ich bin ja noch nicht fertig. It ain’t over, ‚til the fat Lady sings. Es mag wohl so sein, dass wir Menschen – jeder Einzelne – auch für was gut sind. Wir können trösten, manchmal heilen, verschönern, lieben und viele, viele gute Dinge! Das geht aber tatsächlich nur, wenn wir selbst entsprechend gefüllt sind. Was drin ist, kommt raus. Das ist biblisch und gilt verrückterweise trotzdem auch für zB Zahnpastatuben.

Um bei dem Tubenbild zu bleiben: Draufdrücken wäre sowas wie „Bring dich ein! Die Welt braucht dich!“ – KANN man machen, MUSS man aber vorher kurz prüfen, wie ich finde. Wo nämlich Stress drin ist, kommt auch Stress raus. Und wo nix mehr drin ist, werden die Symptome wiederum GANZ originell. Wobei originell ja erstmal wertfrei ist. Aber klar: wo Gutes, Kreatives und Schönes drin ist, oder gute Musik oder heilsame Worte, kommen wiederum herrliche Dinge zum Vorschein.

Ich schlage als Unwort des ersten Halbjahres 2016 ja übrigens „kontextuell“ vor. Kontextuell hier, kontextuell da, kontextuell in Amerika. Sachverhalte NICHT kontextuell zu betrachten, ist ja mittlerweile das neue DenKinderwagenschiebendZigarettenRauchen geworden. Ach, da fällt mir doch noch ein famoser Vorsatz für das zweite Halbjahr ein: ich werde in jeden Satz MINDESTENS einmal das Wort kontextuell einarbeiten! Hihi, das wird gut!

Euch allen Glückwunsch zum Halbjahr! Viel Spaß beim vor und zurück Gucken! Und um zur Feier des Halbjahres einmal mehr dem drohenden internationalen Bekenntnisnotstand und der gähnenden Leere des Internets entgegen zu treten, haue ich mal einen raus: ich glaube daran, dass Dinge gut laufen können. Und aufbauend auf diesem Glaubenssatz bin ich mir relativ sicher, dass die Geschäfte hier zu Erden auch dann weiterlaufen können, wenn ich mich mal ein paar Wochen lang rausnehme. Ging ja zB auch ganz gut, als neulich ganz ohne mich der Mariannengraben gebastelt geworden gewesen war. Ich bin da optimistisch. Kontextuell gesehen. Dem Jogi ne gute Zeit in Russland, den Oktopussis guten Hunger auf sich selbst und uns allen ein gutes LockerdurchdieHoseAtmen!

Over & out,

Ballersbach

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