Heute ging mir der Tod auf die Eier

Ja, heute war nicht alles leicht. Heute hat er mich geärgert. Der Typ, den ich so oft treffe, wenn ich auf der Arbeit bin.

Heute ging mir der Tod auf die Eier. Das tut er nicht immer, nein. Er ist mir manchmal so unauffällig geworden, dass ich ihn manchmal fast beiläufig nickend zur Kenntnis nehme. Ich sage dann sowas wie „Achja“. Manchmal – an anderen Tagen – lässt er mich schaudern. Aber dann bin ich oft schnell darin, alle Ängste auf unbestimmt zu vertagen. Und manchmal – so wie heute – quält und ärgert er mich mit seiner Anwesenheit, seiner bescheuerten Show und seiner fordernden Art.

Ich weiß, wie es aussieht, wenn eine Lebensflamme allmählich kleiner wird. Jede Woche, jeden Tag ein bisschen. Ich habe das Gesicht dazu vor Augen. Dinge, die man nie wissen wollte, aber die einem das Leben trotzdem erzählt… Was am Ende steht, ist ein brennendes Teelicht vor einer Tür und der Tod – dieser Penner! – zelebriert es manchmal mit Genuss, das Feuer in den Augen meiner Mitmenschen so langsam und doch deutlich zu dezimieren, dass man sich ganz unfreiwillig fragen muss, wann das besagte Teelicht den letzten Rest davon darstellt.

Ich tippe, ohne nachzudenken. Ich rede im Prinzip vor mich hin.

Ich möchte ihn gar nicht unbedingt anbrüllen oder so. Nein, das wäre heute irgendwie nicht mein Impuls. Ich glaube, ich möchte eher wie ein Kind, das im Kindergarten geärgert worden ist, mit dem Fuß aufstampfen um mich direkt anschließend heulend in die Arme desjenigen zu schmeißen, dem ich vertraue. Das wäre in meinem Fall wohl derjenige, der den Tod angeblich überwunden hat. Ich hoffe, dass das stimmt. Ich versuche, zu vertrauen. Ach, manchmal ist das Diesseits doch so scheiße, dass man echt verstehen kann, warum manche frommen Geschwister nur noch übers Jenseits reden möchten.

Ja, manchmal möchte man halt einfach nur noch heim und während man im himmlischen Hausflur die Schuhe gegen die Wand kickt und die Jacke auf den Boden schmeißt, möchte man in die Küche rufen „Heute ging mir der Tod auf die Eier!“ und am Herd stünde dann Jesus und hätte schon Spaghetti gekocht und Wein aufgemacht und er hätte den Tod längst besiegt und würde deshalb grinsen.

Jetzt komme ich beim Schreiben doch ins Denken und frage mich nach einem öffentlichkeitstauglichen Schlusssatz. Aber Hey – Denken ist auch nur die halbe Miete. Und christlicher wird’s hier heute nicht mehr.  Heute Abend gibt’s Spaghetti.

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