Jenseits von Verstehen und Vernunft

Pray for Paris. Ja. Außer Beten fällt einem kaum noch etwas ein in diesen Tagen. Ich bete für Paris. Oder besser: ich möchte für Paris beten. Aber was bete ich? Wofür bitte ich? Danke ich für irgendwas? Stehe ich nur still in Gottes Gegenwart und schweige aus lauter Ratlosigkeit? Wie lautet mein Gebet?

Ich bitte um Trost für die Angehörigen der Opfer. Ich bitte um eine anständige Krisenerstversorgung für die Eltern, die ihre Kinder gestern Abend zu diesem Konzert haben ziehen lassen. Ohne zu ahnen, dass die Kritik an deren Outfit die letzten Worte sein würden, die sie ihnen mitgeben können. Ich bitte um gute Trauerbegleitung – Herr, erhöre mich.

Aber ist Trost allein nicht irgendwie billig und zu unverhältnismäßig gegenüber dem, was dieses Europa und unser armer Planet derzeit erleben müssen? Dass seine Kinder sich gegenseitig töten und hassen und die Einen Schutz bei den Anderen suchen und dafür mit ihren kleinen Kindern vor Zäunen stehen sollen?  Ist Trost die Antwort auf im Mittelmeer ertrinkende Menschenkinder? Trost ist gut, wenn es bereits passiert ist. Was können wir tun, um Trostsituationen zu meiden? Kann ich um irgendetwas bitten, das uns davor bewahren kann, für Paris oder Aleppo oder beim nächsten Mal vielleicht Berlin beten zu müssen?

Ich bitte um weiche Herzen. Ich bitte um Menschen, die auch dann ihre Türen und Herzen für syrische Hilfesuchende offen lassen, wenn deren Landsleute in unserem Nachbarland töten und sich dabei auf Gott berufen. Und ich bitte um weiche Herzen für meine islamischen Geschwister, die in Europa in diesen Tagen so viel Ablehnung erfahren müssen. Ich bitte für uns alle um Bewahrung vor innerer Härte. Ich bitte um weiche Herzen – Herr, erhöre mich.

Was Gott wohl so meint? Er wird ja ganz ordentlich zugetextet in diesen Tagen. Die Einen wollen von ihm vor der Islamisierung beschützt werden, die Anderen suchen Trost in seinen Häusern. Manche sterben, weil sie sich zu ihm bekennen und ich frage mich, bei wem genau eigentlich die vielen „Allahu akbar“-Rufe landen, die mal hassend, mal in tiefer und treuer Anbetung über die Lippen mancher Menschenkinder gehen… Es bleibt mir zu hoffen, dass Gott geduldige Ohren hat. Ich hoffe es für mich selbst am meisten.

Ich bitte Gott um Geduld mit meinem ewig zagenden Herzen – Herr, erhöre mich.

Für mich, für Paris, für die Boote auf dem Meer, für Helmut Matthies und für dich, der du dies liest, hätte ich derzeit nur diesen einen Wunsch (frei nach der Bibel):
Den Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt und der höher ist als alle Vernunft. Herr, erhöre mich.

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Ein Gedanke zu “Jenseits von Verstehen und Vernunft

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