Mut, Demut und Geschwistervermissung / Teil 2

Ach Hallo, ihr lieben Worte! Da seid ihr ja wieder! Ich habe doch gewusst, dass ihr euch schon wieder einfinden würdet… Wo ihr schon mal hier seid, würde ich gern mit euch gemeinsam den zweiten Teil einer Geschichte erzählen, deren erster Teil HIER nochmal nachgelesen werden kann. Here we go…

Ich hatte wirklich lange darüber nachgedacht, wie ich mich am besten auf das Gespräch mit dem „christlichen Medienunternehmen mit drei Buchstaben“ vorbereiten sollte. Ich hatte lange darüber nachgedacht, denn ich hatte ja auch lange genug Zeit dazu. Mein erster Impuls war es, den Worthaus-Homosexualitätsvortrag auswendig zu lernen und ihn einfach schreiend von vorne nach hinten herunterzubeten, ohne auf eventuelle Gegenreaktionen Rücksicht zu nehmen. War aber noch nicht die goldene Idee, das ist bei den ersten Ideen meistens so. Nachdem ich wirklich ein Weilchen gerungen hatte, viele Ideen, Fragen und Wünsche im Kopf formuliert waren und ich einigermaßen nervös wurde, habe ich letztendlich alles verworfen. Nein, keine Bibelstellen-Battle, keine übermäßigen Provokationen – es sollte doch ein Gespräch werden. Keine Schlacht. Barfuss. Das war letzten Endes meine Vorstellung davon, wie ich zu diesem Termin gehen wollen würde. Ich meine natürlich nicht ohne Schuhe und so. Wenn ich barfuss sage, dann meine ich pur. Echt und nervös, so wie ich eben drauf bin. Ja, ich würde barfuss gehen. Barfuss und mit Pflaumenkuchen.

Ich hatte ja ganz schön den Hafen aufgerissen in meiner Email. Das wurde mir einmal mehr klar, als ich mit meinem Kuchen im Foyer wartete, bis mich mein Ansprechpartner abholen würde. Wie er wohl drauf sein würde? Auf Krawall gebürstet? Hätte ich mich doch vielleicht etwas wärmer anziehen müssen? „Naja,“ dachte ich „wenn der Zucker vom Kuchen einmal in der Blutbahn ist, wird´s wohl nicht so schlimm werden.“. Und dann ging es los. Ein freundliches „Hallo“, ein Handschlag, ein lächelndes „Ich hab uns was Süßes mitgebracht“. Für irgendwas ist dieses europäische Diplomatengehabe also doch gut.

„Herr xxx, was war denn los bei uns?“ traue ich mich zu fragen, als der Zucker einmal drin ist. Dass er selbst immer wieder ringt und sich sicher ist, manches falsch zu machen ist die erste offizielle Erklärung, die ich bekomme. Ok, SO geht „Barfuss für Fortgeschrittene“, denke ich leicht perplex. Dass es mir ja vielleicht genauso geht, kann ich jetzt auch zugeben. Und nachdem wir beide klar haben, dass jeder von uns an einem echten Austausch interessiert ist, beginnen wir eine wertschätzende aber trotzdem nicht ganz blutleere Diskussion. Natürlich spitzt sich unser Gespräch immer weiter über dem Themengebiet der Homosexualität zu. So enden ja heutzutage so ziemlich alle frommen Debatten, die nicht langweilig sind. Auch bei uns wird es nicht langweilig – wir schaffen es nämlich beide, das fruchtlose Bibelstellen-Wettgebrüll zu unterlassen und reden stattdessen über Sendungsformate, Aufgaben von Medienunternehmen und natürliche Inklusion. Dass unsere homosexuellen Glaubensgeschwister dringend Rückenwind brauchen jetzt, wo auf ihrem Rücken immer wieder die Debatte tobt, sage ich. Und während ich das sage, schaue ich in ein offenes Gesicht und in verständnisvolle Augen. Wir ringen beide – er um Möglichkeiten, eine sogenannte „natürliche Inklusion“ der homosexuellen Geschwister in die christliche Medienlandschaft – ich um eine saubere Unterscheidung zwischen Menschen und Institutionen.

Ja, ich will immer gnädig mit Menschen sein. Sogar mit jenen, die NICHT homosexuell, sondern vielleicht hetero und evangelikal sind. Mehr noch: ich möchte alle meine Glaubensgeschwister lieber als „Gottsuchende“ bezeichnen, statt sie in Lager und Orientierungen einzuteilen. Wenn die von mir geforderte Toleranz doch bei mir selbst da aufhört, wo jemand vielleicht NICHT sein Herz so sehr auf der Zunge trägt wie ich es tue, falle ich doch auch wieder auf irgendeiner Seite vom Pferd. Will ich mit Menschen hart ins Gericht gehen oder mit Institutionen, Systemen und Strukturen? Wem soll meine Wertschätzung gelten? Er hat mich angesteckt mit seinem Ringen. Und das ist auch gut so, denke ich leise. Ich bin kein bisschen „verwässert“ oder weich geworden, was meine Haltung zur Homosexualität angeht. Nein, ich habe denselben Wunsch wie vorher. Nämlich den, dass unsere weltweite Glaubensgemeinschaft ALLE ihre Kinder so lieben lernt, wie die Kinder doch allzu oft ihre Glaubensgemeinschaft lieben. Dieser Wunsch ist nicht kleiner geworden. Im Gegenteil. Was aber neu oder doch zumindest wieder frisch entfacht ist, ist mein Ringen um Wertschätzung für meine Geschwister. Für ALLE. Auch für die, die sich wegducken, die unsicher und zögerlich sind. Sie soll mir nie verloren gehen, meine große Freundin die Liebe. Auch nicht, wenn ich bei Pflaumenkuchen und Kaffee in der Kantine des christlichen Medienunternehmens mit drei Buchstaben sitze.

Was soll ich sagen, Freunde? Ich suche Feinde – ich bemühe mich wirklich. Ich suche Feinde und alles, was ich finde, sind Menschen, die auch gerne Kaffee trinken. Und die sich nicht ganz sicher sind, ob sie wirklich im Recht sind. Die genau wie ich glauben, dass die Liebe die Höchste unter ihnen ist. Wir haben uns das „Du“ angeboten am Ende unseres Treffens. In dieses Fernsehformat möchte ich zwar momentan noch immer nicht, aber wir beide sind sicher, dass das nicht unser letztes Gespräch war. Ich darf Ideen äußern dazu, wie die vielgelobte natürliche Inklusion vonstattengehen könnte. Ich schätze es als ein hohes Privileg, dass ich das darf. Ich will mein Sprachrecht nutzen, ich will davon Gebrauch machen.

Und ich würde wirklich gerne mal genauer wissen, was genau die Arbeit eines „Kindergottesdienst-Coaches“ eigentlich ausmacht…

Noch ein kleiner Querverweis…

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2 Gedanken zu “Mut, Demut und Geschwistervermissung / Teil 2

  1. Ge, da hat man Schiss in de Bux – und hat das Gespräch in x Varianten durchgesprochen und nicht geschlafen und dann – dann kommt doch alles anders, als man denkt…

    Doch der letzte Satz darf wohl von mir beantwortet werden. Stolz verkünde ich, dass wenn man das Wort „Kindergottesdienst-Coach“ eingibt – also in diversen Suchmaschinen – nur ich erscheine.
    Was meine Arbeit – eigentlich sollte man das Kindergottesdienst-Mitarbeiter fragen. Ich bin in Gemeinden unterwegs und sehe gestresste Mitarbeiter, ausgelaugte Mitarbeiter, gelangweilte Kids, Eltern die ihre Kinder zwingen in den Kigo zu gehen. Und ich bin der festen Überzeugung: „Das muss nicht sein.“ Und da helfen keine Bücher mit 1000 kreativen Themenvorschlägen, sondern da geht es um beziehung, um gesprächsführung um, bei sich selbst bleiben, um Gaben nicht nur haben sondern – coachen – schulen. Ich verstehe nicht, warum so achtlos mit Mitarbeitern umgegangen wird??!! Ja und es heißt da zu investieren. Nur ein Herz für Kids macht noch keinen guten Kindergottesdienst-Mitarbeiter. Wenn ich Oboen-Musik liebe kann ich auch noch keine Oboe spielen. Aber oft werden Mitarbeiter so behandelt und Kids so behandelt.
    Ich wünsche mir, dass ein Umdenken stattfindet, dass wir als Gemeinden in unsere Mitarbeiter investieren müssen. Also schreibe ich Blog-Artikel für KIndergottesdienst-Mitarbeiter – Themen wie: „Warum ich vor Gott pupsen darf“ oder „Warum das Singen mit den Kids im Kigo verboten werden sollte“. Ich schreibe über quälende Familiengottesdienste und möchte damit relevante Themen von Kindergottesdienst-Mitarbeitern ansprechen. Und zu den Problemen Lösungen anbieten.
    Die Arbeit mit Kids ist DIE Grundlage der Gemeinden – und wenn wir weiter so billig mit diesem „Arbietszweig“ umgehen – müssen wir uns nicht wundern, wenn nix nachkommt. Ich wünsche mir Qualität. Gott begabt uns nicht nur, sondern schenkt uns auch ein Gehirn, wo wir uns weiterbilden können, um die Gaben auszubauen, zu vertiefen.
    Und ja ich möchte mich nciht mehr fremdschämen, wenn Kirchen-(Gemeinden) Programm anbieten.

    Hach ich schwalle – doch so ist es, dafür brennt mein Herz. Ich glaube, dass wir ein anderes Level erreichen können, wenn wir denn Lust haben und diese Lust muss geweckt werden und dann, passiert Veränderung – der WOW – Effekt. Ich möchte das Kindergottesdienst-Mitarbeiter lieben was sie tun und sich darin kompetent fühlen. Und darin möchte ich sie unterstützen.
    Dein Kindergottesdienst-Coach Katrin 🙂

    Und tschüss, bis es wieder heißt, mit Katrin Schneller den Durchblick 😉 ….

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