Mein Kartoffelpizzafreund

  
Wenn ältere Herren in Ämtern und Würden öfters mal junge Frauen ohne Ämter und mit einem Normalmaß an Würden bitten würden, sie in ihrem Schaffen nach Herzenslust zu kritisieren, dann wäre die Welt ein anderer Ort. Vielleicht sogar ein besserer. Das gilt für Facebook, für die IDEA Spektrum und andersrum wahrscheinlich genauso. Jürgen Mette ist Theologe, Mitglied einiger christlicher Vorstände und mit Artikeln und Buchveröffentlichungen immer ganz vorne in der christlichen Öffentlichkeit dabei. Bis neulich war er Geschäftsführer eines christlichen Verlagshauses – eine Art Musterbeispiel des älteren Herrn in Ämtern und Würden. Aber eben doch so untypisch für seinen Stand…

Weil das Leben ein verrücktes kleines Tanzmariechen ist, lernten wir uns vor einiger Zeit kennen und schätzen und – Simsalabim – auf einmal war ich Mitglied seines offiziellen Beratungsstabes zu einem Buchprojekt namens „Gnadenzeit“ geworden. Meine Aufgabe bestand dabei darin, seine Entwürfe und Ideen (die mal mehr, mal weniger genau ausformuliert waren) zu lesen und eben nach Herzenslust zu kritisieren. Ja, er wollte genau wissen, wo ich die Schwächen in der Handlung sah oder welchen Charakter ich wie bewertete. Seine Kritikfähigkeit und seiner Freude am Diskurs haben mich dabei immer wieder beeindruckt! Ich stürzte mich also sehr gern in die Lektüre – wie ich allerdings der grundsätzlichen Idee eines „frommen Krimis“ zu begegnen hatte, wusste ich erstmal nicht so ganz genau…

Ich lese ja gerne – besonders, wenn es um Mord und Totschlag geht. Wenn ich dabei auch noch Fragen an den Autor formulieren darf, umso toller! Und so las ich, machte mir Notizen und alle paar Wochen trafen wir uns zur Buchbesprechung. Es waren im Prinzip (wie immer) die äußeren Umstände, die uns dazu zwangen, unsere literarischen Themenabende in einem guten Restaurant zu veranstalten und dort auch (Oh Wunder!) viel gutes Essen zu essen. Diese Treffen waren übrigens nur halb so schmuddelig, wie sie erstmal wirken – Jürgens bezaubernde Ehefrau war nämlich meistens mit dabei. Und so saßen wir zusammen, bei Kartoffelpizza oder Joghurteis und irgendwann im Laufe des Abends saßen die Protagonisten seines Buches, Hauptkommissar Alois Bachhuber und seine Kollegin Maria Sonnlaitner mit uns in der Runde. Bachhuber war immer so ein bisschen nervös weil er nicht wusste, was der Couscous-Auflauf aus der Karte ihm sagen sollte und manchmal musste ich Jürgen flüsternd Dinge fragen wie „Ist der immer so stoffelig?“… Ich ließ mich gemeinsam mit Lydia Weber (die ja im Buch leider viel zu früh das Zeitliche segnen muss) auf so manche, tiefgehende Glaubensfrage ein, immer begleitet von Jürgens herausfordernder Ermutigung „Lass dich verunsichern!“. Ich weinte vor Rührung, als Kommissarin Sonnlaitner in der größten Krise mutig ein schlichtes Gebet sprach und ich war gleichermaßen fasziniert und angewidert von den machthungrigen Sektierern, die der Autor so facettenreich lebendig werden lässt.

Authentische Charaktere hat er erfunden, der ältere Herr in Amt und Würden! Er kann Orte, an denen man noch nie war, so bildhaft und detailgetreu beschreiben, dass man nachher meint, sich dort auszukennen. Und nicht zuletzt verpackt der Autor das, was ihn selbst als Typ ausmacht – nämlich seinen Mut zur Kontroverse und seine persönliche Leidenschaft für Gottes heilige Freiheit – in eine bestens unterhaltende Krimihandlung. Jürgen Mette läuft in „Gnadenzeit“ zu seiner ganz eigenen künstlerischen Höchstform auf. 

Ich war und bin in höchstem Maße geehrt, bei der Entstehung dieses Theologentatorts dabei gewesen sein zu dürfen und ich hoffe auf eine Fortsetzung mit Hauptkommissar Bachhuber (dem liebeswerten Stoffel) und seiner zärtlich-couragierten Kollegin Sonnlaitner! …nicht nur, weil ich unbedingt nochmal diesen Couscousauflauf im Restaurant probieren möchte…

P.S.: Bei einem unserer kulinarisch-literarischen Treffen erzählte ich Jürgen Mette total nervös von meinem Vorhaben, ein Buch zu schreiben. Er sagte mir ohne Zögern sofort seine Unterstützung zu, verriet mir, wie ein Autorenvertrag mit dem Verlag standardmäßig auszusehen hat und versprach, auch mal ein theologisches Auge auf mein Werk zu haben, falls ich das wünschte.
Was DABEI wiederum heraus kam, kann man bald in Leben ist das neue Sterben lesen (bietet sich an, wenn man mit Gnadenzeit durch ist). Noch zwei Wochen.

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2 Gedanken zu “Mein Kartoffelpizzafreund

  1. Na klar! Das war dieses Restaurant neben der Therme in Bad Endbach. Name vergessen.
    …ich hege ja den leisen Verdacht, dass du planst, mich heimlich zu taufen. Deshalb die Schwimmbadnähe. Auch das spricht übrigens für eine Fortsetzung.

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