Neonfarbener Weiblichkeitsanfall

Während ich auf einen Gesprächstermin zum letzten Blog warte, mal kurz was ganz anderes.Meine jüngste, wenige Stunden alte Lebenserkenntnis wäre die folgende: 

„Die Metaebene ist die Feindin der rhythmischen Sportgymnastik.“
„Wie meinen?“ denkt mancher Lesende zurecht. Ich erklär’s mal so. Treffen sich mein Gehör, mein Gehirn, mein inneres Kind und mein Hintern im Fitnessstudio. Nachdem mein Mann Zuhause schon so doof gefragt hatte, wo denn mein T-Shirt mit mir hin will (mein schönes, neues Neon-T-Shirt!! Ich hatte nunmal gelesen, dass man Neon trägt!), war ich hier her gekommen. 

Treffen sich also mein Gehör, mein Gehirn, mein inneres Kind, mein Hintern UND mein Neon-T-Shirt im Fitnessstudio und bis auf das T-Shirt können sie alle reden. Zumindest in meinem Kopf. Es heißt ja so schön „Sommer ist, was in deinem Kopf passiert“ – und das gilt auch für Zumba! Die alten Weisheiten sagen, dass man das Buch Hiob nach Möglichkeit am Besten dann lesen soll, wenn man über Vierzig ist und Freunde bei sich hat. Auch das scheint genauso für Zumba zu gelten. Es geht also recht munter zu in dem großen Zimmer, in dem irgendein kranker Geist die Wand verspiegelt hat. Schade übrigens, dass ich offenbar die Einzige bin, die im Internet gelesen hat, dass man beim Zumba Neon trägt. Ich setze mich – so unauffällig es mir mit meinem fluoreszierenden Oberteil möglich ist – auf eine Bank am Rand und harre der Dinge die da kommen mögen…

Und ganz leise meldet sich mein inneres Kind: „wann kommt denn die musik?? wann denn? wahaaann? wann darf ich endlich tanzen?“ Mein Gehirn so: „Küche aufräumen wäre dringender dran gewesen als der Quatsch hier!“ Hintern (singt!): „I -!- like -!- big -!- butts and I cannot lie… Wooohow!!!“

Es war ja in der Legende so: ein heißer, südamerikanischer Aerobictrainer hatte die Aerobic-Musik in seinem heißen, südamerikanischen Zuhause vergessen und hat deshalb das Tape aus seinem Auto geholt, auf dem heiße, südamerikanische Latinomusik war. Die neonfarbenen Muttis haben ihre Übungen dann dazu gemacht, es wurde auch ein bisschen mehr mit den Kurven gekurvt als sonst und Zack – Zumba war als Sportart erfunden! Der Trend kam übern Teich, fand den Weg bis ins hessische Hinterland und nun steh’n wir hier in unseren atmungsaktiven Haremshosen.

Hintern (singt gelangweilt vor sich hin): „…Freeeeeiheit, Freiheheheheheiiiit. Ist die einzige, die…“

Achtung – da bekommt das Gehör was zu tun und zwar genau das hier: „THIS IS THE REMIX!! VE-NE-ZU-ELA!“

Gehirn: „Venezuela??! Ich verstehe nicht! HER-BORN-SEEL-BACH wenn überhaupt! Und wenn DAS hier der Remix ist, dann will ich dem Original lieber nicht im Dunkeln begegnen! Merkt eigentlich noch irgendjemand, was das hier für ein hanebüchener….“

Kind: „ja! jaaa! ich bin eine ballettprinzessin! ich sehe doch schön aus, oder? eine ballettprinzessin ist immer schön! tralalalaaa…“

Man verbrennt ja angeblich bis zu 600 Milliarden Kalorien bei so einer Kursstunde. Glaub ich. …kann sein, dass ich das da gelesen habe, wo auch das mit dem Neon stand. Ok, immerhin ist schon nach zehn Minuten mein Kopf pink, ich schwitze und fühle mich sehr sportlich! Traurig nur, dass ich den sinnbildlichen Staub der kleinen, flinken Dame vor mir fressen muss, die mal ganz locker meine Mutter sein könnte. Naja. Es geht ja zum Glück nicht um die Leistung hier. Es geht um’s Tanzen! Und mir persönlich geht es – je länger ich hier bin, desto mehr – um neonfarbene Weiblichkeit! HA!

Kind: „ich bin eine tanzprinzessinnenfee!!! und tanzprinzessinnenfeen sehen immer schön aus!“

Hintern: „Fee hin, Godzilla her: man tanzt nur mit dem Hintern gut!“

Gehirn: „TANZFEE?! Man tanzt nur mit dem HINTERN gut!? Ey Leute, wenn ICH nicht vorhin an den Sport-BH geDACHT hätte, wäre hier doch schon längst der Ofen aus! Und zwar schon seit dem Merengue!! Oder seit dem traurigen Rest, den ihr davon übrig gelassen…“

Gehör: „MAMBOOO!!!“

Hintern: „Das hört man gern!“

Gehör: „THIS IS THE REMIX!“

Gehirn: „Zum Thema Remix muss ich jawohl nichts mehr sagen!“

Kind: „kann mir bitte jemand sagen, dass ich schön bin?“

Hintern: „Yeeehaw! Ich bin Cottoneye-Joe!!“

Kind: „können wir gleich winnetou gucken? wann sind wir denn fertig?“

Gehirn: „Mambo, der alle sechzehn Takte zu Bluegrass wird?!? An welchem dunklen Ort wird um Himmels Willen diese Musik produziert?!?“

Eine Stunde ist vorbei und sie kam mir kurz vor. Ich habe die schüchterne, kräftige Frau schräg vor mir leise lächeln sehen, als wir die Hüften kreisen lassen sollten. Wäre mir die ältere Dame rechts neben mir woanders als hier begegnet, hätte ich sie sicher nicht so unglaublich lebensfroh erleben können. Und während im normalen Alltag meist mein Gehirn den Ton angibt, hatten ein paar andere Kollegen hier mehr mitzureden, zu tanzen und zu singen als sonst. Und die Metaebene, in meinem Fall also das ewige Beobachten des eigenen Tuns, die Metaebene darf ruhig ein paar Feinde haben, glaube ich. Ja, auch das Hirn braucht eine Opposition von Zeit zu Zeit. Und außerdem: es wird ja sogar dabei gefördert, es kommt ja nicht zu kurz. Mein Plan, eines Tages die Überfliegerin in der Demenzgruppe zu werden, weil meine Gehirnhälften so astrein kooperieren, könnte aufgehen, wenn ich so weiter mache.

Bis dahin werde ich die neonfarbene Weiblichkeit mit innerem Tanzfeenprinzessinnenballettkind, singendem Hintern (der sich selbst für Cottoneye-Joe hält) und Hornhaut auf dem Trommelfell sein. Darauf ein lautes, von Herzen kommendes: „VE-NE-ZU-ELA!!!“

Was das alles mit meiner neuen Rolle als Autorin zu tun hat? Garnichts. Naja gut – ich hab den Kram halt aufgeschrieben.

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