Mein Ausflug in Ildikós Welt

„Na, Alte?! Du hast heute auch noch kein Utensilo genäht, hä?“ möchte ich mir selbst kritisch aber liebevoll fragend zurufen, wie ich mir so im alltäglichen Schuhanzieh-Jacken-Prä-Kindergartenmodus mal kurz selbst über den Weg laufe. Ich habe lange gezögert, ob ich mal einen Blog über Mutter-Zeug schreiben sollte. Fühlt sich erstmal ziemlich Ildikó von Kürthy-esk an. Eigentlich beinhaltet mein ideales Selbstbild, dass man das alles erstens auf einer Arschbacke macht und zweitens nicht darüber spricht. Keine Ahnung, wie so ein Stuß in mein ideales Selbstbild hineinmäandern konnte. Ist ja auch wurscht, ich hab’s ja noch rechtzeitig gemerkt.

Also: hast du eine Mutter hast du immer Butter – BIST du eine Mutter, hast du in der Regel zumindest einen Knall. Und ich kann’s beweisen. Ich lasse dabei diese hormonbedingten Automatismen aus, die einen anfänglich wundern (die Herren der Schöpfung auch gern mal schocken). Das kann Ildikó klasse erklären, glaub ich. Ich gucke aber für heute mal bei der idealen Selbstwahrnehmung – mir schwant nämlich, dass da nicht nur ein bisschen was im Argen liegt. Hier und da. Bei mir zB.

Also mal ganz hemmungslos von der Leber, frisch von der Profilneurose kommend, liefe das optimalerweise so bei Muttern:

– Mutter ist entspannt. Niemals schrill oder hysterisch. Sie sitzt HÖCHSTENS mal besorgt am Küchentisch (Lönneberga-Style) und flüstert im Mezzosopran „Was soll ich nur mit meinem Kurtjamin machen?“ weil der irgendwie ständig heimlich HubbaBubba kaut oder so. Aber schrill ist nicht! Hysterisch auch nicht! Und Alkohol wäre gefuddelt, das muss also als Hilfsmittel ausfallen.

– Mutter ist vernetzt. Geburtsvor-, -zwischen- und -nachbereitung, Krabbelbums, Spieldings, man kennt das ja. Was die Kinder machen, ist latte – solange der Macchiato fließt, ist alles im Fluss. Mütter mögen sich automatisch und grundsätzlich gegenseitig. Und wenn sie es doch nicht tun, tun sie eben einfach so. Und das macht ihnen dann Spaß und man hat sowohl was zu erzählen, als auch bestenfalls leicht Einen sitzen, wenn Papa nach Hause kommt. 

– Mutter kann alles und zwar gut. Arbeiten und gleichzeitig Kinder großZIEHEN. Nein, in anständigen Haushalten werden Kinder nicht einfach von alleine groß. Die werden groß GEZOGEN! Das geht so: man steht nach der Vormittagsschicht Punkt halb eins in so ner ganz lässigen Boyfriend-Jeans barfuß und mit High Knot Bun (man liest nachts heimlich die Vogue um zu wissen, was das ist!) am Herd und rührt in der Soja-Schlotze („Was SOLL nur aus meiner Jette werden – sie isst mir ja NUR noch Gesundes, hihi?!“ / Lönneberga-Style!). Dann kommen die Kinder (gesund – Regelschule – alles selbst gezogen, türlich!) und erzählen voll gerne und freiwillig ihr erfolgreiches, ganzes Leben und wenn das so läuft, darf man nachher im Macchiato-Treff erzählen, dass man die Kinder mal wieder hart großgezogen hat. (Dass nach der Vormittagsschicht und der Großzieh-Schicht übrigens dann noch die Stelle kommt, an der man allabendlich und gerne in Strapsen Steaks brät, wenn der Mann nach Hause kommt, erkläre ich bald im Ehe-Blog. Auf den ich aktuell noch hinreife…)

– Mutter weiß, was Masse ist. Aber ja doch. 

Ok, es war ja von Vornherein klar, dass alles Bullshit sein würde. Läuft alles in echt anders, da müssen wir uns ja nun auch langsam nichts mehr vor machen, da dürfen wir ja schon auch in die Ehrlichkeit kommen. Ildikó sei Dank.
Aber bei aller Offenheit (Ja, irgendwer MUSS es doch sein, der bei Ernstings die Eisköniginnen-Shirts kauft! Und die Teddybärenwurst aus Fett und Glutamat frisst sich nun ma nicht selber auf! Ich trage an allem eine Mitschuld und bin mutig oder müde genug, zu bekennen!) – mal angenommen also, wir wären unperfekt und im Stande, es zuzugeben: die Frage die sich mir stellt ist, ob wir uns selbst leiden können. 

Ich glaube, was alle Mütter der Welt gemeinsam haben, ist das schlechte Gewissen. Zu kurz gestillt, zu viel gearbeitet, zu wenig auf sich selbst geachtet – irgendwo verkacken wir es schon. Zumindest, wenn wir selbst unsere Richterinnen sind. Ich glaube, was alle Kinder der Welt gemeinsam haben, ist die Liebe zu ihrer Mutter. Zumindest, so lange sie noch die unfair produzierten Eisköniginnen-Shirts von Ernstings tragen. Schade, wenn ich mich selbst mal wieder zu fertig gemacht habe, um diese Liebe annehmen, um sie aushalten zu können. Schwer genug, meine Feindin zu lieben – dreifach schwer, wenn ich sie mir selbst bin.

Aber wie schön, wenn ich Verständnis in anderer Mütter Augen sehe, wenn mir beim „Ich wollt, ich wär‘ ne MILF“-Make-up-Einkauf bei DM am Schaukelpferd mal wieder der Ton verrutscht. Und wie schön, wenn ich Verständnis für mein Versagen empfange und es selbst weitergeben kann. Und wie schön, dass Kinder TROTZ unseres Ziehens und Krampfens und dummen Gelabers groß werden und Bands gründen, Freundschaften schließen, zu Parties eingeladen werden und irgendwie ihr Ding machen.

Meine Mutter hat mal zu mir gesagt: „Wichtig ist, dass die Kinder ihren Eltern eines Tages vergeben.“ Ich gehe mit und erhöhe um „…die Eltern sich selbst auch.“

Soweit mein Ausflug in Ildikós Welt. Sandmann ist durch, also Maul jetzt.

Papa Francesco und die vierte Staffel

Buongiorno everybody! Man wollte mir das alles im Vorfeld als Italien verkaufen mit diesem Südtirol. Stimmte so halb. Ich fand es irgendwie in Summe mehr Tirol im Sinne von Anton als Italien im Sinne von handgemachte Lederschuhe. 
Nun gut, die Menschen sind überall auf Erden mitunter nett und ich habe es bislang noch in so ziemlich jeder Speisekarte geschafft, was Leckeres zum Essen zu finden. …wobei es schon paradox sein kann, bei 40 Grad Außentemperatur ebenfalls 40 Grad warme, süße Mehlspeisen zu mampfen. „Mampfen“ ist btw das einzige Tu-Wort, dass dieses Gesamtempfinden adäquat beschreibt.

Ich habe mir als Souvenir jedenfalls im Supermarkt so ne weiße Friedhofskerze im Plastikbecher gekauft, auf der der leibhaftige Papst als Paninistickergroßer Aufkleber draufgeklebt ist. Die wird jetzt immer angezündet, wenn Papa Francesco mal wieder irgendwas gut gemacht hat. Heute zB.

Was ich eigentlich sagen, bzw wozu ich einladen wollte, spielt in einem komplett anderen Setting. Ich war ja Anfang des Jahres im Norden bei Jens Böttcher und habe dort in arktischer Arscheskälte tolle Abenteuer erlebt. Und mich dabei filmen lassen. Von tollen Typen wie zB Boris Mahlau, der als Kind im allerersten Tatort mitgespielt hat! Wenn DAS nicht cool ist, weiß ich es auch nicht!

Wenn es euch also mal irgendwie zu heiß (kleiner Witz!), zu kalt oder einfach zu blöd werden sollte in diesen Tagen, seid dabei: Abfahrend vom Herborner (Haupt-)Bahnhof (gut zu erkennen, wie ich finde!) könnt ihr mich im Zug nach Hamburg begleiten, wo ich etwas außerhalb in einem verwunschenen, süßen Hotel den unfassbaren Jens Böttcher zum ersten Mal persönlich traf. Randnotiz: als ich lesend in der Hotellobby saß und ein nicht allzu großes, schwarzes Mäntelchen an mir vorbei wehte, das sein eigenes Kamerateam verloren hatte, musste ich laut „ACHDUSCHEISSE! DICHGIBTSJAWIRKLICH!“ schreien. Das Kamerateam fand sich wieder ein, ich lernte Karsten, Henry und Boris UND Boris‘ St.Pauli-Pullover kennen (beide kurz aber eindrucksvoll bei den Gesangsaufnahmen hinter meinem eigenen Kopf zu bestaunen). Lirumlarum, wir waren gerade erst ins Schwätzen geraten, da hieß es auch schon wieder, dass die Sendung im Kasten wäre und ohne viel Gedäh gingen wir zum musikalischen Teil über. Per Email verabredet waren eine leise, ruhige Version unseres Wunschtitels und zwar in der Jonny Cash-Tonart weil ich schätzte, dass die für Jens passen könnte. Na gut, man verabredet das Eine und dann kommt der Rock’n’Roll und alles wird so, wie es in der Wirklichkeit dann wird. Nachdem wir kurz den Text geklärt hatten (…the lamb is the light, obwohl the lamp das woooohl auch könnte), ging es los. Übrigens: der Grund, warum wir uns so verliebt in die Augen starren beim Singen ist dementsprechend der, dass wir das alles einfach noch nie gemacht hatten und kommunizieren mussten, damit das alles nicht im Chaos endet.

So, genug getratscht – ich freue mich von ganzem Herzen, in dieser Sendung mit meinem kleinen Sterbebuch zu Gast gewesen zu sein!!! Ihr dürft euch schonmal freuen: in der vierten Staffel (die ich quasi eröffnen darf!) werden noch ein paar ziemliche Granaten zu sehen sein. Konstantin Wecker zB. Wenn das keine coole Tiefsehtauchen-Season wird, weiß ich es also auch nicht…
Viel Spaß beim Gucken, ihr Lieben! 
Ich zünd jetzt die Papa Francesco-Lampe an!

Hier geht’s zur Sendung

Kontextuell hier, kontextuell da, kontextuell in Amerika

„Löw macht bis zur WM 2018 in Russland weiter“ schreibt die Tagesschau. Was er denn in Russland genau macht, fragte ich mich die ersten 30 Sekunden. Dann ging’s wieder. Ist aber auch echt krass, wie mich offenbar immer alle verarschen wollen! Kann auch sein, dass ich dünnhäutig werde. Zwecks Urlaubsreifetechnisch aufdeutschgesagt.
Dass man jawohl selbst nicht so schlimm sein kann, weil Oktopusse sich ja nun immerhin selbst aufessen wenn sie Stress haben, heißt doch dieser eine Internetwitzespruch. Mag stimmen – so weit bin ich tatsächlich noch nicht. Aber im Fingernagelkauen macht mir aktuell tatsächlich auch kein Oktopuss was vor! Der hat ja noch nicht mal Fingernägel! Dieser PENNER!!

Und auch so dieses alles, was man dann irgendwann nicht mehr wie gewohnt auf die Kette kriegt. Emailpostfach – oha. Von den PN’s mal ganz zu schweigen. Ich tue Buße und bitte auf diesem Weg um Entschuldigung für jede Nicht- oder Spät-Reaktion. Ich weiß, dass das assi ist. Geht aber nicht besser gerade. „Wobei assi ja jetzt erstmal wertfrei ist.“ ARGH! Ich komme nicht mehr aus dem Vernunft-Slang heraus! Hm. Vielleicht wäre DAS ja ein Weg: ich könnte doch versuchen, mich mal zur Abwechslung SELBST zu spiegeln und mir bewertungsfrei zu begegnen und einfach ne gute Zeit mit mir zu haben. Geh fort! Ich lass es ja schon! Wäre für meinen ebenso urlaubsreifen Mann sicher auch nicht leicht, seine Alte bei dem Versuch, sich selbst zu verhauen, auf dem Sofa vorfinden zu müssen.

Also gut, lass mal Halbjahresfazit machen! Das bietet sich doch jetzt an! Was war los im ersten Halbjahr und wie ging es mir damit und wie lange hat’s gedauert, bis ich wieder nüchtern war?
Ich hab zu viel gemacht. Das kann ich schonmal recht zügig sagen. So müde wie ich es jetzt bin, muss man eigentlich nicht sein in meiner Situation und meinem Alter. SO nötig sollte man einen Urlaub nicht haben, würde ich sagen. Fazit fürs zweite Halbjahr? Weniger. Also weniger machen.
Haha, eigentlich weiß ich jetzt schon, wie es wieder endet hier („Die 35-jährige, die sich beim Schreiben ihres eigenen Blogs zu Tode langweilte und einschlief“). Am Schluss lande ich aller Voraussicht nach etwa bei: „…blabla, lass weniger arbeiten und mehr mit Freunden rumhängen und lieben und alles weil der Tod kommt ja eh und dann liegt man kurz vorher und denkt so „Eeeeyyy, ich hab zu viel gearbeitet!“.“ Und selbst wenn man – wie ich jetzt – so krass gut reflektiert ist, dass man diese Erkenntnis nicht erst auf dem Sterbebett, sondern aufm Sofa beim Halbjahresfazit parallel zum RTL2 Trödeltrupp erringen konnte NÜTZT ES DOCH ALLES NICHTS!! Wir machen es doch eh! Weiter arbeiten! Mehr Gas geben! Komm, noch bisschen! „Die Welt braucht dich!“ – „Du hast was zu sagen!“ – das stimmt zwar alles und KLAR sind wir alle immens wichtig und so. Aber selbst dann, wenn solcherlei Thesen in der schon fast ausgenüchterten Sanftheit einer sanften Margot Käßmann ausgesprochen werden, sind sie doch auch wieder ein relativ sicheres Ticket in den Burrrrrn(Motherf*cker, Burn)out. SO!

Ich bin jetzt mal krass (aber noch nicht krass genug, es ohne Vorwarnung für die Anderen sein zu können – kommt noch!): WENN es so wäre, dass die Welt mich wirklich so richtig dringend bräuchte, wäre die Welt eine ziemlich arme Erfindung. Erstens richtet unsere menschliche Artgenossenschaft in Summe mehr Fluch als Segen an, zweitens traue ich keiner Unternehmung, die ohne mich nicht im Stande ist, zurechtzukommen. Klingt wild, IST aber so. Ich höre es schon Murren, alles gut – ich bin ja noch nicht fertig. It ain’t over, ‚til the fat Lady sings. Es mag wohl so sein, dass wir Menschen – jeder Einzelne – auch für was gut sind. Wir können trösten, manchmal heilen, verschönern, lieben und viele, viele gute Dinge! Das geht aber tatsächlich nur, wenn wir selbst entsprechend gefüllt sind. Was drin ist, kommt raus. Das ist biblisch und gilt verrückterweise trotzdem auch für zB Zahnpastatuben.

Um bei dem Tubenbild zu bleiben: Draufdrücken wäre sowas wie „Bring dich ein! Die Welt braucht dich!“ – KANN man machen, MUSS man aber vorher kurz prüfen, wie ich finde. Wo nämlich Stress drin ist, kommt auch Stress raus. Und wo nix mehr drin ist, werden die Symptome wiederum GANZ originell. Wobei originell ja erstmal wertfrei ist. Aber klar: wo Gutes, Kreatives und Schönes drin ist, oder gute Musik oder heilsame Worte, kommen wiederum herrliche Dinge zum Vorschein.

Ich schlage als Unwort des ersten Halbjahres 2016 ja übrigens „kontextuell“ vor. Kontextuell hier, kontextuell da, kontextuell in Amerika. Sachverhalte NICHT kontextuell zu betrachten, ist ja mittlerweile das neue DenKinderwagenschiebendZigarettenRauchen geworden. Ach, da fällt mir doch noch ein famoser Vorsatz für das zweite Halbjahr ein: ich werde in jeden Satz MINDESTENS einmal das Wort kontextuell einarbeiten! Hihi, das wird gut!

Euch allen Glückwunsch zum Halbjahr! Viel Spaß beim vor und zurück Gucken! Und um zur Feier des Halbjahres einmal mehr dem drohenden internationalen Bekenntnisnotstand und der gähnenden Leere des Internets entgegen zu treten, haue ich mal einen raus: ich glaube daran, dass Dinge gut laufen können. Und aufbauend auf diesem Glaubenssatz bin ich mir relativ sicher, dass die Geschäfte hier zu Erden auch dann weiterlaufen können, wenn ich mich mal ein paar Wochen lang rausnehme. Ging ja zB auch ganz gut, als neulich ganz ohne mich der Mariannengraben gebastelt geworden gewesen war. Ich bin da optimistisch. Kontextuell gesehen. Dem Jogi ne gute Zeit in Russland, den Oktopussis guten Hunger auf sich selbst und uns allen ein gutes LockerdurchdieHoseAtmen!

Over & out,

Ballersbach

Schlafen ist geil!

Ich höre abends im Bett Hörbücher. Zum Einschlafen. Ist nicht gesund, ich weiß. Man soll keine Stromsachen im Schlafzimmer haben und alles – hab ich aber! Rock’n’Roll!!! (Daran bemerkt man dann wohl echt die Spießigkeit des Alters: während man sich noch vor fünfzehn Jahren aber auch wirklich garnichts bei nem komplett überfüllten Aschenbecher auf dem eigenen Nachttisch dachte, macht man sich heute wegen in der Wand verlaufender Kabel ins Nachthemd. Tsss.) Ich schlafe also hörend ein. Solange das IPad voll und der Kopfhörer greifbar ist, bin ich im Prinzip unbesiegbar weil morgens ausgeschlafen. 

Und weil ich Jens Corssen und seine Bücher und DAVON die Hörbücher ja in der Wirklichkeit großartig finde („Du bist zwar ein strahlender Stern, aber dein Verhalten ist ungünschdig.“) und seine Werke immer dankbar entgegen nehme, schlägt mir das Internet in letzter Zeit zu meiner eigenen Erbauung auch ganz kreativ Hörbücher vor, die man auch getrost dann hören kann, wenn sich in der eigenen Psyche vielleicht mal was ungünschdig entwickeln sollte.

Ich habe gemerkt, dass ich echt gut einschlafe, während mir insgesamt gut zugeredet wird. „Wenn du mal wieder in deinem Schattenkind gefangen bist, tritt einen Schritt zurück und beginne in der Rolle deines inneren Erwachsenen damit, dein Schattenkind zu trösten…“ Läuft. Danke. Nachti! „Du DARFST enttäuschen, du bist heute groß.“ – chhccchhhhmnjomnjom…
Momentan höre ich sehr erfolgreich allen Ernstes das Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“! Geil, oder? Wurde mir vom Internet empfohlen! Kommt man ja ansonsten erstmal nicht alleine drauf. Der Titel ist ja echt so gut, dass man ihn besser nicht parodieren könnte! Wobei: nachdem ich mit Lachen fertig war, war ich erstmal kurz ein bisschen sauer nach dem Motto „DU sagst MEINEM inneren Kind in mir mal genau NICHT, was es angeblich muss!!! Das muss garnichts! Höchstens schlafen! Also mach deinen Job, du Buch! Und dann Maul!“. Nee, klappt aber jetzt echt grade gut mit uns. Und dem Kind und dem Erwachsenen und den Schutzstrategien des Schattenkindes, gähn… Hui, mir wird schon wieder so…

Also: gut Zureden ist super fürs Einschlafen bei mir! Muss aber auch bitte von ner guten Stimme erfolgen. Schlechte Sprecher oder schlechte Mixes oder so machen mich nicht froh. Und wenn ich nicht froh bin, schlafe ich nicht gut ein. Ich bin echt kein Soundnerd oder sowas. Ich kann ein Mikro von ner Box unterscheiden, das wars – aber wenn’s nicht klingt, klingelt mir nichts, so ist es. Ich muss das garnicht begründen können, das hat auch die Frau von dem Hörbuch gesagt! (Ernie-Modus OFF). Schlechte Stimmen dürfen nicht gut zureden. Da bin ich knallhart! Andreas Fröhlich hingegen könnte mir auch Eldrege-Schmöker vorlesen und ich würde friedlichst wegnicken. Der Typ kann alles! Nachdem er ganz früher „Recherchen-und-Archiv-Bob-Andrews“ war, hat er zB Gollum die deutsche Stimme gegeben! Tierisch!! Ergo bin ich auch bestens auf die 600.000 CD’s der Eragon-Fantasy-Saga klar gekommen (um nicht zu sagen: schlimm süchtig gewesen!) – er ist einfach der beste Sprecher, Stimmversteller und Vorleser der Welt! End of story. 

Ich könnte zusammenfassen: wenn mir Andreas Fröhlich gut zuredet, kann ich hervorragend einschlafen!

Das ist aber noch nicht das Ende der Gleichung. Ich kann nämlich noch anders. Wegpennen. Zuletzt bin ich dann doch auch auf einen blutigen Wild-West-Roman namens „Das Böse im Blut“ großartig eingeratzt! Einbrüstige Huren im staubigen Jung-Texas, sowohl Mord ALS AUCH Totschlag und alles! Dass ich auch darauf echt prima loslassen konnte, mag Jens Corssen und seinem Stand vielleicht zu Denken geben aber Hey – gelobt sei, was Schlaf bringt! Als Downer ist das doch sicher gesünder als zB Alkohol. Man säuft ja tagsüber so viel Kaffee, dass man sich abends im Prinzip selbst k.o. schlagen muss, damit irgendwann mal die Lichter ausgehen. Nee, dann lieber Wildwest auf die Fress'(t)! Ich packe mein IPad und nehme mit: gute Zurede, Andreas Fröhlich und eine einbrüstige Hure.

Ich hab’s ja auch mal mit Predigten probiert, das Einschlafen. Ist aber schwierig. Nicht etwa, weil es sich gewissensmäßig falsch anfühlt (jede Mutter wird mir zustimmen: ALLES, aber auch ALLES, was einen schnell wieder einschlafen lässt, ohne irgendwie die Muttermilch zu kontaminieren, gehört zumindest getestet!!). Predigten gehen aber leider nur tagsüber weil: wenn sie gut sind, muss ich drüber nachdenken oder im Anschluss sehr laut Marvin Sapp hören und wenn sie schlecht sind, werde ich böse. Und der böse Vogel verdrischt den Wurm – wobei er ja logischerweise nicht schlafen kann. Das gilt für Wurm wie Vogel wie Schattenkind. Logo.

Soviel von den Ballersbacher Bett-G’schichtn! Es ist auch mit dem Schlafen wie mit allem: Machen ist wie Wollen, nur krasser. 
Den Frieden der Nacht! Wie auch immer ihr ihn euch herleitet…

Huhn / Gülle / Näfäsch / Jever

„The chicks are getting armed!“ schrieb mal eine meiner Glaubensschwestern in dieses verrückte Internet, als sie gerade frisch auf Krawall gebürstet von einer charismatischen Frauenkonferenz nach Hause kam. Sie müsste sich wahrscheinlich gar nicht bewaffnen, wenn sie in ihrer eigenen Wahrnehmung kein Huhn wäre. Aber sie hatte mich weder um Rat noch Hilfe gebeten, sondern wirkte erstmal ganz froh in ihrer pastellfarbenen Aggression. Deshalb dachte ich sowas wie: weiter machen. Aber nicht hauen bitte. Lieber von innen und außen schön mit Salz und Paprika edelsüß einreiben oder so.

Sprache kann viel. Merke ich immer wieder. Sie kann aus Feinden Freunde machen, Ehebündnisse besiegeln, sie kann Liebe ausrufen und lauter tolle Sachen. Sprache kann kränken und verletzen, sie kann auch hervorragend ausgrenzen oder abwerten. Sie kann auch lustig sein. Sprache kann aus Frauen Hühner machen. Zumindest in meinem Kopf. Ja, Sprache kann viel. Sprache kann auch unglaublich langweilen. Da, wo sie vorhersehbar wird zum Beispiel. Da, wo man bereits bei Predigtpunkt 2 weiß, dass ungefähr bei Punkt 3b) das unnütze Wissen über Israel ausgepackt wird. Da, wo man schon weiß, dass in der Zeitschrift kein einziges weises Wort zu lesen sein wird, obwohl man sie noch nicht durch hat. Sprache kann langweilen, wenn der Inhalt, den sie transportieren muss, langweilt. Nein, eigentlich ist es nicht die Sprache, die selbst irgendwas tut – aber sie ist das Transportunternehmen dessen, was den Sprechenden so im Hirn herumspukt. Und in diesem Amt ist sie eben auch immer mal wieder das Transportunternehmen der Gülle.
Es ist wohl wirklich so: wo Gülle drin ist, kommt selbige raus. Manchmal wird diese durch guten Satzbau, Fremdwörter, Hashtags oder sonstige Ablenkungsmanöver dekoriert. Aber sie bleibt sich doch selbst immer konsequent treu. Sie lässt sich niemals beugen oder brechen, die Gülle. Gilt für die Liebe aber guterweise auch, das mit der Unbeugbarkeit. Ich war eine zeitlang nicht sicher – aber mittlerweile weiß ich, dass ein liebevolles Wort selbst im derbsten Lahn-Dill-Kreis-Platt im Kern liebevoll bleibt. Heißt für mich: ob ich nun bescheuerte Neuworte erfinde (wie z.B. „Neuworte“) oder Alliterationen fahre, bis das wildest-wollendste Wohlmeinungs-Wir-Gefühl würgen will (weil es die #gülle gerochen hat!) oder ob ich ganz andersrum laut und aggro auf Platt beschreie, dass ja nun auch nicht ALLES nur Schwachsinn ist – erst beim Inhalt des Gesprochenen trennt sich Spreu von Weizen. Huhn von Knarre. Richard von Weizsäcker.

Die Sprache wird dann wahr, wenn wir den Inhalt, den sie zu transportieren hat, als innere Haltung ausstrahlen. Das gesprochene Wort passt sich einer eventuell schwächer gelebten Performance zu unseren Ungunsten an. Und jetzt? Was mache ich mit diesen Überlegungen? Sollte dies meine leichte Angst vor der öffentlichen Rede verstärken? Wie gehe ich aus diesem Denkprozess hervor? Eigentlich erstmal entspannt, immerhin ist ja Wochenende. Ich hatte kurz, um Zeichen zu schinden, drüber nachgedacht, ob ich den alten „…Seele und Kehle sind ja im Hebräischen gannnnnz eng miteinander…“-Trick auspacke, aber Hey, es ist spät – wir wollen doch alle an unser Feierabendbier. Aber auch bei Bierdurst hilft Denken halt nach wie vor und deshalb komme ich zu folgender Idee: wenn man mich also an meinen Früchten erkennen soll, dann werde ich mein Inneres ab sofort stärker prüfen, als meine Wortwahl. Hier ist nämlich Eins stärker als das Andere. Die Sprache ist das Make-up – meine Haltung das Gesicht. Und wenn das hässlich ist, kann Schminke nicht viel machen. Aber wenn andersrum meine Haltung wohlwollend, großzügig und mild ist, kann eine manchmal große Fresse wenigstens nur in begrenztem Maß Schäden anrichten. 

Ich werde jetzt bei einem Jever in meinem eigenen Inneren über aufkeimenden Zynismus nachdenken. Und bis ich damit fertig bin, werde ich mal zur Sicherheit still sein.

Die innere Jennifer Grey und der Sonderzug nach Mordor

Ich stand heute im Jeansladen vor einer weißen Jeanshose und mein Gehirn versuchte mal wieder, schlauer zu sein als mein Hintern. Was irgendwie oft im Absurdum endet…

Man denkt ja jedes Mal aufs Neue, man würde aussehen, wie die junge Jennifer Grey in Dirty Dancing, wenn man sich eine weiße, enge Jeans kauft. Da, wo sie in Patricks Zimmer kommt und er zufällig zwar seine Absatzschuhe, aber dafür kein T-Shirt an hat. Genau so sähe man aus in dieser weißen Hose. Jung und clean und wunderschön. Vor allem von hinten. Und man würde sich dann auf dem Parkplatz vom „Jeans Fritz“ in Haiger genau so in Pose werfen, wie Jennifer es vorher auf der Brücke in dieser Hotpant getan hat und die komplette Performance wäre einfach wirklich ganz, ganz klasse! Ob man nun 17 oder 34 ist – man sieht exakt genau so aus, sobald man eine weiße Jeans trägt! Denkt man so. Und dann käme Patrick Swayze und würde einen zum Mambo auffordern. Und man könnte dann auch Mambo tanzen. Und Patrick fände einen in dieser Hose unwiderstehlich. Alle Frauen denken das, wenn sie vor einer weißen Jeans im Laden stehen. Wer sagt, dass sie das nicht denken, lügt.

In der Wirklichkeit sieht man – wenn man älter als 17 ist und / oder größer als Größe XXS trägt – in weißen, engen Buchsen natürlich aus, als würde man hauptberuflich Geschütze nach Mordor ziehen. Und das in einer weißen Hose. Was ja kompletter Quatsch wäre. Wird doch sofort voll schmutzig alles in Mordor. Ich musste heute mal kurz laut lachen, als ich da im Laden stand. Das war ja schon mal ganz gut.

Vielleicht kaufe ich mir aber trotzdem eine. Weil mein Hintern meist dann am schönsten tanzt, wenn das Gehirn mal grad nicht guckt. Weil es ja geiler ist, sich innen wie Jennifer Grey auf der Brücke zu fühlen, als Schiss davor zu haben, für Außenstehende den Fernbus Haiger-Mordor und zurück zu lenken. Oder selbst der Bus zu sein. Dann lieber psychischer Mambo. Bockt doch viel mehr! Komplett absurd ist ja zB auch (wie ich eben beim Nachgooglen der gesammelten Filmoutfits feststellen musste!), dass die schöne Jennifer sich ihre Nase hat ändern lassen. Während sie vorher mal echt ein Moped war (nicht nur der Hose wegen), sah sie nachher einfach aus wie alle. Es gilt also mal wieder die gute, alte Weisheit aus der Selbsthilfegruppe: „Find dich mal schön selber gut – mit bisschen Glück findet sich irgendein Depp, der mitzieht.“
Ach, ich freu mich auf den Frühling! Euch allen einen schönen Start! Seid schön! Tanzt Mambo! Ob ihr’s könnt oder nicht. Habt euch lieb und lacht viel!
Und nicht vergessen: Patrick Swayze hätte selbst an den Toren Mordors „Mein Baby gehört zu mir!“ gerufen – die innere Jennifer Grey darf mutig gelebt werden! 

Noch was: nicht die erste Schwalbe kündet den Frühling, die ist nicht zuverlässig – aber die erste Cetirizin liegt in der Regel richtig! 

Love, J (wie Jennifer)

KLÖPPERS GROßE LEBENSBEICHTE! EINE ERFOLGREICHE FRAU VON WELT PACKT ENDLICH AUS!

„Nee, alles cool soweit danke. Die Kinder bringen halt immer mal die Pest mit nach Hause aber hey…“ – „Ja, es ist halt auch echt immer unter den Leuten in der Jahreszeit.“ – „Nja!“ (einatmend ausgesprochen)…

In Smalltalk macht mir so schnell auch keiner was vor! Ich weiß bei so ziemlich jedem Gespräch, wie man ein potentiell interessantes Thema schnellstmöglich so abflachen kann, dass das Ende des Gesprächs innerhalb der nächsten zwei Minuten absehbar ist. Ich weiß auch, wann man ein „Ja“ ausatmend (also normal) ausspricht und wann das deutlich empathischer wirkende, einatmend gesprochene „Nja!“ dran ist. Und echt jetzt: ich LIEBE Smalltalk! Ich liebe es, im Treppenhaus Nettigkeiten mit den Kollegen auszutauschen, ich liebe auch seicht-angenehme Gespräche bei Tisch. Ich stehe zu gerne mit nem Prosecco an einem Stehtisch und lobe die Schönheit des Blumenschmucks. Ich kichere gern mit der Verkäuferin im Supermarkt über Unwichtigkeiten – Hauptsache man hat mal gekichert. Ja, ich erkläre hiermit meine Liebe zum Smalltalk!

Und Nein: jetzt kommt nicht die Stelle á la „Heyyy, lasst uns nicht das eigene Herz hinter Oberflächlichem verstecken und immer auch ausreichend Platz für Tiefgrund lassen.“ – WÜRDE ICH GERN schreiben! Aber diese Stelle kommt jetzt genau DOCH, also denkt euch das von grade alles bitte wieder weg. Wer das nicht schafft, muss sofort zum Psychologen – ICH bin nämlich wie immer komplett klar in der Birne! Sicherlich!

Ja, ich liebe auch ernsthafte Gespräche. Die mit Schweigen zwischendrin. Am besten führen die sich meiner Meinung nach übrigens im Gehen. Gespräche sind gut, ob nun ernsthaft gehend oder Deko-belobigend stehend.

Gibt’s auch Gespräche, die ich blöd finde? Wäre ja komisch, wenn nicht. Klar – Diagnosen, Kündigungen, Hiobsbotschaften, etc. braucht kein Mensch! Aber gibt es auch Kommunikationsarten, die ich für mich ablehnen wollen würde? Ja, die gibt´s tatsächlich.

Ich mag Vergleichsgespräche nicht. Kennt doch jeder. Die, wo abgecheckt wird, ob´s nun bei mir oder bei meinem Gegenüber besser läuft. Ich kann zwar mit Lügen-ohne-rot-zu-werden manche dieser Gespräche tatsächlich „für mich entscheiden“ – aber nachher ist es mir eigentlich immer eklig zumute. Irgendwie war das im Nachhinein meist verschwendeter Atem. Und irgendwie fühle ich mich nachher immer unwohler, je vehementer ich mein eigenes Wohlergehen proklamiert habe. Manchmal kotzt man sich selber an. Und so gut wie immer ist es dann, wenn man gerade ein Vergleichsgespräch gewonnen hat.

Ich habe zwar keinen theologischen Mentor aber wenn ich einen hätte, wäre es Jürgen Mette. In seinem Buch „Alles außer Mikado“ berichtet er, dass er kurz nach seiner Parkinson-Diagnose als Antwort auf „Bei dir so?“-Fragen gern mal „Danke, schlecht.“ als Antwort gegeben hat. Das finde ich nach wie vor höchst inspirierend und ich habe Jürgen bereits vorgeschlagen, Baseball-Kappen mit diesem aufgestickten Spruch als Merch-Artikel in´s Programm zu nehmen. Damit ich die dann kaufen und aufziehen kann.

Nee, mir geht’s gerade gar nicht schlecht – ich kämpfe aber mit mir selbst um die Freiheit, es zugeben zu können, wenn´s mal wieder so kommt. Und nee, es mangelt mir (Gott sei Lob und Dank dafür!) momentan auch nicht an Leuten, mit denen ich mal in echt, mal telefonisch meine „schweren Gänge“ machen kann. Aber – nochmal nee! – ich habe eigentlich echt keinen Bock mehr auf dieses Posing in den Vergleichsgesprächen dieser Welt! Und ich glaube, selbst die Gegenüber, die wir in diesen Haus-Job-Kinder-Auftragslage-Hosengröße-Talks immer wieder antreffen, haben eigentlich AUCH gar keine große Lust auf diese Art von Unterhaltung.

Ich werde heute sicher nicht damit beginnen, jedem Hans und Schwanz mein Innerstes auszuschütten, wenn ich „Bei dir so?“ gefragt werde. Aber ich werde definitiv damit aufhören, mit um eine hysterische Terz erhöhter Stimme auf diese Frage hin alle Geilheiten aufzulisten, die das Leben und meine Fantasie gerade hergeben. Realistische Antworten könnten ab sofort etwa sein „Ich freue mich, dich zu sehen.“ oder „Ich bin momentan nervös vor demunddem Termin, der bald ansteht.“ oder „Ich bin gerade ein bisschen angestrengt.“ oder halt ein „Nja.“ und ein irres Lachen.

Der Gegenüber, der in solchen Situationen keine Beißhemmung bekommt, der immer noch posen will, nachdem ich mich schwach gezeigt habe, dem kann und muss ich nicht helfen. Wer in übertriebenem Ton „Eeeecht?!? Wieso DAS denn?“ sagen möchte, wenn ich mich als nervös, erfolglos oder müde geoutet habe, der muss das machen.

Ich glaube, dass es mir nicht zum Schaden werden wird, wenn ich weniger pose. Und ich glaube, dass mir kein Gesprächspartner böse sein wird, wenn ich uns beide von dieser lästigen Kunstform entbinde.

Der erste Schritt zum Nicht-Posing war es, zuzugeben, dass ich es manchmal tue. Hat gar nicht wirklich wehgetan jetzt.